Die Pflege einer großen Riffanemone gemeinsam mit Anemonenfischen ist eine der beeindruckendsten Lebensgemeinschaften im Riffaquarium.

Anemonen oder Seeanemonen zählen zu den auffälligsten Blumentieren tropischer Korallenriffe. Gemeinsam mit den Korallen gehören Anemonen zur Klasse Anthozoa. Dort bilden sie die Unterklasse Hexacorallia. Echte Seeanemonen gehören in die Ordnung Actiniaria. Vertreter dieser Ordnung besitzen eine flache Fußscheibe, eine kurze Körpersäule und eine Mundscheibe, die mit Tentakeln gesäumt ist. Die spaltförmige mittige Mundscheibe mündet in den Gastralraum, den Magen der Anemone. Die Fußscheibe besitzt einen starken Muskel, mit dem die Anemone sich am Substrat befestigt und auch umherwandern kann. Die klebrigen Tentakel sind mit Nesselzellen bestückt, mit denen Beutetiere gelähmt und über die Tentakel eingefangen werden. Die meisten im Handel angebotenen Anemonen besitzen zwar eine Nesselfähigkeit die unangenehm bei Berührung erscheint, aber für die Pflege im Aquarium keine Probleme bereitet.

Philippinen

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Allerdings haben manche Anemonen derart starkes Nesselgift, das Sie auch den Menschen bei Berührung der Tentakel erhebliche Schmerzen zufügen können. Die Bäumchenanemone Actinodendrum plumosum ist solch ein Beispiel. Viele Anemonen sind mit Ihren stark nesselnden Tentakeln in der Lage größere Fische zu erbeuten. Die regelmäßig im Handel angebotene Teppichanemone Stichodactyla haddoni ist dafür unter Aquarianern bekannt, Fische bis zur Größe eines Doktor- oder Zwerkaiserfisches zu erbeuten. Auf den Philippinen sah man eine große Heteractis magnifica Anemone die einen großen Dornenkronenseestern erbeutet hat. Das verdeutlicht die Kraft, mit der Anemonen Nahrung einfangen können. Im Meer sollte man Anemonen nicht mit der Hand berühren. Die Nesselkraft ist so stark dass die berührten Hautpartien Monate lang unter den Vernesselungen leiden können. Für das Aquarium ist es also wichtig Arten auszuwählen deren Nesselfähigkeit die anderen Wirbellosen und Fische sowie den Pfleger nicht schädigt. Der Fachhändler ist hier der richtige Ansprechpartner für die Auswahl einer harmlosen und schönen Art für die Aquarienpflege



Anemonen bewohnen eigentlich alle Meeresgebiete, von den arktischen Gebieten bis hin zu den Tropen. Insbesondere dort wo Plankton durch günstige Strömungsverhältnisse herandriftet sind Anemonen häufig zu finden. Die meisten Arten trifft man in warmen und gemäßigten Zonen in flacheren Wasserzonen an. Aber auch in unseren heimischen Meeren wie dem Mittelmeer und der Nordsee gibt es interessante Arten wie die Wachsrose Anemonia sulcata und die Erdbeerrose Actinia viridis. Bei der Erforschung der Tiefsee treffen Wissenschaftler immer wieder auf neue Arten die sich an spezielle Lebensräume angepasst haben. Aber auch in tropischen Korallenriffen werden immer noch neue Arten entdeckt.





Mauritius

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Für die Aquarienpflege sind vor allem tropische Anemonen interessant. Diese beherbergen zumeist symbiotische Algen im Gewebe, vergleichbar mit den meisten Korallen. Viele in der Natur vorkommende Anemonen leben in einer Lebensgemeinschaft (Symbiose) mit Fischen und Garnelen. Die gemeinsame Pflege der Symbiosepartner im Aquarium ist eine spannende Erfahrung für den Aquarianer. In tropischen Korallenriffen leben in einer gut betauchbaren Wassertiefe von 1 – 30 mtr. eine Vielzahl unterschiedlicher Anemonen und deren Partnern. Die größte Vielfalt an Arten findet man von Indonesien bis zu den Philippinen. Riffanemonen gehören durch die Symbiose mit Anemonenfischen zu den spektakulärsten Riffbewohnern. Bereits im Flachwasser zwischen Seegras und Geröll trifft man auf einzelne Anemonen wie Heteractis malu die zumeist mit Anemonenfischen in Symbiose leben. Nähert man sich als Taucher oder Schnorchler einer bewohnten Anemonen schießt sogleich das dominante Anemonenfischweibchen heraus und verteidigt sein Revier vehement gegen jeden Eindringling oder Fressfeind. Eine der schönsten Anemonenarten ist Heteractis magnifica. Diese am Riffhang siedelnde Art wird über einen Meter groß und bewohnt Zonen mit zeitweise sehr kräftiger Strömung. Gelegentlich sieht man diese Art fast vollständig eingezogen. Dann leuchtet der kugelige Mantellappen lila oder rot.

Die solitär oder in Gruppen lebenden Riffanemonen begeistern uns Aquarianer seit den Anfängen der Riffaquaristik. Waren Anemonen in den Anfangsjahren der Wirbellosenpflege oft nur wenige Monate haltbar, sind Aquarianer heute in der Lage einige Arten über viele Jahre, sogar Jahrzehnte im Aquarium zu pflegen. Man weiß sogar von einer Riffanemone die seit über 30 Jahren im Aquarium gepflegt wird. Auch gelingt die Vermehrung im Aquarium von immer mehr Arten durch Teilung.

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Spektakulär gefärbte Arten wie die rote Kupferanemone Entacmaea quadricolor und die kleinen Teppichanemonen Stichodactyla „minimaxi“ vermehren sich durch Teilung bereitwillig im Aquarium. Neben der Teilung die wohl alle Anemonen zur Vermehrung nutzen, erfolgt in der Natur auch eine geschlechtliche Vermehrung durch Abgabe von Eizellen und Spermien. Einige klein bleibende Anemonen können durch Ihre als invasiv zu bezeichnende Vermehrung gar zur Plage werden.

Glasrosen Aiptasia spp. und Minianemonen Anemonia cf. majano beispielsweise haben durch die starke Vermehrung und dadurch bedingte Verdrängung anderer Wirbellose schon manch einen Aquarianer zum Ausräumen des Aquariums bewegt.

Wenden wir uns wieder den beliebten Riffanemonen zu. Hier findet der Aquarianer einige attraktive Arten die sich gut im Aquarium pflegen lassen. Riffanemonen benötigen zum Wohlsein viel Licht, Strömung und eine gelegentliche Zufütterung. Die Beleuchtung kann heute mit Leuchtstoffröhren, HQI Strahlern und den sich langsam verbreitenden LED Leuchten erfolgen. Die Lichtansprüche der meisten Arten sind vergleichbar mit den meisten

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Weichkorallen und großpolypigen Steinkorallen. Kräftig gefärbte Exemplare wie Cryptodendron adhaesivum und Heteractis malu benötigen auch im Aquarium eine sehr intensive Beleuchtung. Phymanthus spp. Anemonen kommen hingegen mit wenig Licht und mäßiger Strömung gut aus. Es ist also sehr von der jeweiligen Art und dem Standort in der Natur abhängig unter welchen Bedingungen sich die Anemone pflegen lässt. Eine blaubetonte Beleuchtung hebt die natürlichen Farbpigmente hervor und veranlasst die Anemone diese auch im Aquarium weiter auszubilden. Wichtig ist eine weiche Strömung wie wir Sie heute mit den kugelförmigen Strömungspumpen erzeugen können. Sagen der Anemone Strömung und Lichtbedingungen nicht zu beginnt diese im Aquarium umherzuwandern bis ein geeigneter Standort gefunden ist.

Deshalb sollte man einen Schutz um die Strömungspumpen anbringen zumindest bis die Anemone sich einen festen Standort ausgesucht hat. Hierzu eignet sich Nylonstrumpf oder Filtergewebe. Aber auch Aquarienheizer können gefährlich werden da Anemonen sich mit Ihrem Fuß daran verbrennen können. Deshalb sollte der Heizer entweder im Filteraquarium untergebracht werden oder ein Schutz darum sein.

An die Wasserwerte stellen Anemonen keine besonders hohen Ansprüche. Nitrat und Phosphat sollten aber von niedriger Konzentration sein. Anemonen reagieren nicht so empfindlich auf eine leichte Belastung und können daher auch in Aquarien mit hohem Fischbesatz gepflegt werden. Werden Anemonenfische gemeinsam mit einer Anemone gepflegt gelingt meist auch die Vergesellschaftung mit Kaiser- und Falterfischen, da die Anemonenfische als Symbiosepartner die Anemone vehement verteidigen.

Erfolgt eine regelmäßige Fütterung (1-2 mal pro Woche) mit kleinem Frostfutter wachsen Anemone zu erstaunlicher Größe heran.

Manche Arten wandern von Natur aus häufig im Aquarium umher. Die Rotfussanemone Macrodactyla doreensis ist solch ein Beispiel. Diese wunderschöne und farblich in vielen Variationen vorkommende Art wandert öfter umher und kann dadurch andere festsitzende Wirbellose schädigen. Achtet man auf gute Umweltbedingungen und bei dieser Art auf einen höheren Bodengrund halten sich solche Ausflüge in Grenzen. Ganz verhindern kann man das aber nicht. Daher gehören Anemonen in etwas größere Aquarien oder in spezielle Artenbecken. Die klein bleibenden Arten sind hervorragend für Nano Aquarien geeignet.

In der Eingewöhnung sind alle Anemonen recht empfindlich. Das liegt zumeist an Verletzungen der Fussscheibe beim Ablösen um Riff oder Verkaufsbecken gefolgt von einer bakteriellen Infektion beim Transport. Ist die Anemone im Aquarium eingewöhnt und hat einen zusagenden Standort gefunden sind eigentlich alle Arten sehr haltbar und langlebig. Am besten erwirbt man seine Wunschanemone bei einem vertrauten Fachhändler, der die Tiere sorgfältig eingewöhnt und bei den individuellen Artansprüchen gut beraten kann.

Die Nesselfähigkeit der meisten Arten kann andere Aquarienbewohner im Aquarium schädigen. Daher sollte die Anemone als eines der ersten Tiere ins Aquarium gesetzt werden. So kann diese ohne Probleme im Aquarium umherwandern bis ein zusagender Standort gewählt wird. Anschließend werden die anderen Korallen mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand angesiedelt. Bodenlebende Arten benötigen eine höhere Sandschicht und im Boden liegende Steine um den Fuß dort zu befestigen. Freistehende Arten suchen nach einem exponierenden Standort um sich voll zu entfalten. Besonders eine freistehende Riffsäule eignet sich gut zum Ansiedeln frei stehender Arten. Dort kann die Anemone den Standort öfter verändern ohne andere Korallen zu berühren und zu vernesseln. Einige Fische wie Feilenfische, Seenadeln, Seepferdchen, Kofferfische und andere langsame Arten eignen sich nicht gut zur Vergesellschaftung. Leider werden diese leicht von den klebrigen Tentakeln vernesselt und gelegentlich erbeutet. Gut gelingt die Vergesellschaftung mit allen flinken und wendigen Arten.

Anemonen leben in Symbiose mit Fischen und Krebstieren

Anemonenfische besiedeln die meisten Anemonenarten in tropischen Korallenriffen. Die Symbiose von Anemonen mit Fischen begeistert sowohl die Wissenschaft als auch Aquarianer. Spätestens seit dem Film „Nemo“ hat sich diese Lebensgemeinschaft auch bei Nichtaquarianern weit verbreitet. Die Fische erlangen durch ständige Erneuerung des Hautschleims der Anemonententakel einen Schutz vor den nesselnden Tentakeln. Dieser Schutz ist nicht angeboren, d.h. die Fische müssen diesen Schutz langsam aufbauen und ständig erneuern. Im Riff profitieren beide Partner von dieser interessanten Lebensgemeinschaft. Der Fische bekommt eine schützende Behausung und schützt im Gegenzug die Wirtsanemone vor Fressfeinden wie Falterfischen. Kleine Preußenfische leben oft an auf Riffanemonen, auch gemeinsam mit Anemonenfischen. Im Mittelmeer bewohnt die Anemonengrundel die stark nesselnde Wachsrose.

Neopetrolisthes oshimai - Oshimas Porzellankrebs

Porzellankrebse und verschiedene Garnelen leben ebenfalls mit Anemonen in einer Lebensgemeinschaft wie die Gattungen Periclimenes und Neopetrolisthes. Spektakulär ist auch die Symbiose von Einsiedlerkrebsen, die sich Anemonen auf Ihr Schneckenhaus pflanzen und so vor Fressfeinden besser geschützt sind wie die Art Dardanus pedunculatus

Symbiosepartner

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